Kristin Thielemann: Jedes Kind ist musikalisch – Rezension

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Wenn jedes Kind musikalisch ist, dann ist folgerichtig jeder Mensch musikalisch.

Mancher zweifelt jedoch an seiner eigenen Musikalität. Möglicherweise, weil im eigenen Elternhaus nicht musiziert wurde oder weil jemand etwas unbedacht geäußert hat – und sei es auch „nur“ zu einem Teilaspekt, wie z.B. dem Rhythmus. Das Buch Jedes Kind ist musikalisch beginnt mit dem Thema Musikalität:

Was ist eigentlich Musikalität?

Wie Thielemann herausarbeitet ist der Begriff „Musikalität“ nicht präzise definierbar und die wissenschaftliche Messbarkeit ist allgemein umstritten, denn es spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Verarbeitung melodischer und rhythmischer Inhalte, aufmerksames Zuhören, Vorstellungs- und Erinnerungsvermögen, Feinmotorik, Koordination, und mehr.

„Musikalität ist demnach kein Merkmal das entweder vorhanden ist oder nicht, sondern in vielen Ausprägungen und Abstufungen vorkommt.“

Anders gesagt hat jeder ein spezifisches und einmaliges Begabungsprofil. So geht es also darum die musikalischen Anlagen des Kindes (bzw. deine!) weiterzuentwickeln und zu fördern. Bei Kindern funktioniert das nach Thielemann am besten, wenn das Musizieren in den gemeinsamen Familienalltag integriert wird und schon früh aktives Musizieren in der Umgebung erlebt wird.

Auch für Erwachsene ist es meiner Meinung nach sinnvoll, Üben und Musizieren in den Alltag zu integrieren. Besonders wichtig ist Thielemann, dass kein Leistungsdruck erzeugt wird, sondern es um das Musizieren um des Musizierens willens geht.

Warum überhaupt Musizieren?

Alle Menschen sind in ihrer Art zu Musik hingezogen. Schon Babys können Rhythmen wahrnehmen und beginnen sich dazu zu bewegen. Die natürliche Begeisterung für Musik muss also nur in entsprechende Bahnen gelenkt werden, um das musikalische Potential des Kindes zu entwickeln.

Es gibt nachgewiesenermaßen vielfältige, positive Wirkungen von Musik wie z.B. Förderung von Sprachkompetenz, Konzentrationsfähigkeit, Hörfähigkeit (auch: Nebengeräusche ausblenden), Sozialverhalten, Emotionen und Empathie, Entspannung, Intelligenzquotient, Kreativität und Problemlösekompetenz (also die Fähigkeit, Schwierigkeiten mit kreativen und immer neuen Ideen zu begegnen) und mehr.

Ja, das ist alles sehr wichtig, aber Thielemann betont:

Musik ist Selbstzweck

„So soll und darf es beim Musikhören und Musizieren in erster Linie darum gehen, Freude an der Musik selbst zu entwickeln und sich das Leben durch Musik schöner zu machen.“

Ich finde das sehr wichtig zu betonen, denn wir musizieren ja nicht vor allem deswegen, weil wir z.B. unsere Konzentrationsfähigkeit entwickeln wollen, sondern weil wir musizieren wollen. Das braucht keine weitere Begründung oder gar Rechtfertigung, wie sie leider bei der Verteilung von staatlichen Geldmitteln für Musikschulen oder Orchester immer wieder nötig ist.

Weiter schreibt sie, dass Musik ein wertvolles Kulturgut ist, das nicht zuletzt auch ein Stück „Identität“ bietet. Folgerichtig plädiert sie dafür, auch altes Liedgut verstärkt Kindern nahezubringen:

„Schon vor Jahrhunderten haben Eltern für ihre Kinder gesungen: Lieder zur Unterhaltung, Tröstelieder, Wiegen- und Schlaflieder. Lieder erzählen auch Geschichten und Geschehnisse. Sie berichten von Dingen des Alltags und vermitteln Regeln des Miteinanders. Im Laufe der Zeit ist so ein wahrer „Liederschatz“ entstanden, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde.“

Umfangreiches Material

Das wirklich sehr umfassende Buch gibt weiterhin Tipps zur Übemotivation, wie Musik in Familien integriert werden kann, es werden alle Instrumente vorgestellt, sowie verschiedene Möglichkeiten der Förderung, z.B. an Musikschulen erklärt. Ein ausführlicher Anhang mit vielen Lese- und Hörtipps, Noten zum Singen mit Kindern, sowie eine CD runden das Buch ab.

Ich bin von dem Buch wirklich begeistert. Es ist liebevoll gestaltet und übersichtlich, informativ und spannend geschrieben. Man spürt auf jeder Seite die Liebe zur Musik der Autorin und ihren tiefen Wunsch Kindern in die wunderbare Welt der Musik einzuladen. Ich, der ich vor sechs Wochen zum zweiten Mal Vater geworden bin, habe viele neue Anregungen und Inspirationen aus dem Buch mitgenommen und möchte es allen Eltern wärmstens ans Herz legen.

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