Ganzheitlich oder im Detail üben?

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Jedes Instrument inkl. Gesang funktioniert nach dem Prinzip des „inneren Hörens“ (vgl. Klavierpädagogin Beata Ziegler). Die innere Vorstellung der Musik und des Klangs des Instrumentes setzt Prozesse im Körper in Gang und koordiniert diese, sodass die Vorstellung zu tatsächlichem Klang wird.

Meine Hypothese ist, dass ein wesentliches Merkmal von ‚Begabung‘ ist, dass dieser Prozess vergleichsweise direkt funktioniert: Vorstellung – Umsetzung – fertig.

Es gibt dann diverse Möglichkeiten, wie dieser einfache Ablauf gestört wird:

  • unkonstruktive Konzepte über Spieltechnik
  • übermäßige, allgemeine Anspannung
  • mangelhafte Koordination einzelner Teile
  • emotionale Blockaden
  • usw.

Wie arbeitet ein ganzheitlicher Ansatz?

Ein ganzheitlicher Ansatz kümmert sich darum die Bedingungen zu schaffen, damit dieser Prozess möglichst reibungslos ablaufen kann. Wenn man mit angemessener Körperspannung aufgerichtet ist, wird folglich auch die Atmung gut funktionieren können. Wenn man sich hingegen mit großem Kraftaufwand angestrengt aufrecht hält, wird die Muskelanspannung eine freie Atmung behindern. Man muss also nicht direkt mit der Atmung arbeiten, sondern mit den Bedingungen drum herum.

Es werden also z.B. Konzepte hinterfragt und der Wirklichkeit angepasst, unkonstruktive Gewohnheiten aufgedeckt und konstruktivere eingeübt, der Kontext eines Auftrittes in den Handlungsplan bewusst eingebaut uvm.

Was bringt das Anschauen von Details?

Demgegenüber steht das Üben von Details. Bläser beispielsweise bekommen beim Anstoß Probleme, wenn sich bei jeder Anstoßbewegung der Zunge gleichzeitig auch der Kiefer mitbewegt. Im Alltag, beim Sprechen oder Essen funktionieren Zunge und Kiefer immer als Einheit, beim Anstoßen auf dem Instrument sollte der Kiefer unbeteiligt bleiben. Also ist es für dieses Thema sinnvoll zu üben die Anstoßbewegung auszuführen, ohne dass der Kiefer (und die Kehle, die Lippen usw.) daran beteiligt sind. Man übt also eine spezielle Bewegung ein, weil es bei diesem Thema nicht zielführend ist, lediglich die Bedingungen zu optimieren.

Sowohl als auch!

Es ist also sinnvoll, zunächst einmal nachzudenken, welche Vorgehensweise für welches Thema geeigneter ist, ggf. auch eine Kombination aus beiden. So kann man die Vorteile der jeweiligen Methoden nutzen und sich seinem Ziel der reibungslosen Umsetzung der Vorstellung in Klang immer mehr annähern.

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