Mehr Beweglichkeit und Flexibilität

Als Musiker wollen wir unsere musikalischen Ideen möglichst direkt in Klang umsetzen. Daher sind wir auf Beweglichkeit und Flexibilität angewiesen. Denn diese bestimmen den Grad mit der spontan das ausdrücken können was unsere musikalischen Ideen sind, spontan ausdrücken können was wir fühlen.

Mit Flexibilität meine ich, dass wir unsere Ausdrucksbewegungen frei ausführen können, diese also nicht durch andere Faktioren eingeschränkt werden. Flexibilität bedeutet auch die Freiheit, körperlich und geistig immer wieder neue Wege gehen zu können. Es ist unser natürlicher Zustand. Wodurch aber wir diese Freiheit eingeschränkt?

Überzeugungen

Vorgefasste, unüberprüfte Überzeugungen sind auf das größte Hindernis überhaupt. Du hast dir unbewusst eine Meinung über eine bestimmte Spielbewegung gebildet, diese aber niemals überprüft:

weder weißt du, welche Gelenke oder Muskeln daran beteiligt sind, noch weißt du, wie die Bewegung physiologisch ausgeführt werden sollte. Dennoch bist du felsenfest überzeugt davon, die richtige Art der Ausführung zu kennen und anzuwenden.

Eine solche Hartnäckigkeit im Glauben daran „Recht zu haben“ findet ihre Entsprechung auch im Körper. Oft ist es tatsächlich der harte, weil verspannte Nacken (hart-näckig). In jedem Fall führen solche Überzeugungen zu übermäßigen Muskelanspannungen, die Beweglichkeit und Flexibilität einschränken.

Schau dir z.B. einmal an, wie extrem sich viele Trompeter im Nacken-Schulterbereich, aber auch in den Gesichtszügen anspannen, sobald es darum geht, im hohen Register zu spielen. Auf Nachfrage werden sie alle bestätigen, dass die Stirn in Falten zu legen keinerlei Einfluss auf die erreichbare Tonhöhe hat, dass das Verkrampfen der Halsmuskeln und des Schultergürtels sogar hinderlich ist.

Und dennoch sind sie unbewusst davon überzeugt, dass es nötig sei, denn sonst würden sie es ja bleiben lassen!! Die Überzeugung ist so stark, weil sie mit einem Gefühl verbunden ist und sie glauben, ohne dieses Gefühl von Anspannung, die entsprechende Tonhöhe nicht erreichen zu können.

Frage dich also, welche Überzeugungen du hast. Was bereitet dir Probleme, wo fühlst Du dich verspannt, unbeweglich, unflexibel? Und dann frage dich, was du glaubst tun zu müssen, um zum Beispiel laut oder schnell zu spielen. Dann lohnt es sich, die Fakten anzuschauen und zu überprüfen, ob deine Überzeugung mit der Realität übereinstimmt.


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Inneres Hören

Wie oben bereits angedeutet, ist die musikalische Vorstellung, das innere Hören, der erste Schritt beim Musizieren. Die Aufforderung, eine bestimmte Stelle zu singen, bringt hier oft Ernüchterung. Schnell wird dadurch klar, dass schon die reine Abfolge der Töne nicht klar vorgestellt werden kann, ganz zu schweigen von Klang, musikalischer Gestaltung, Ausdruck usw.

Wenn aber die Vorstellung nicht hinreichend klar ist, wie soll dann Körper darauf mit gut koordinierten, freien Bewegungen reagieren können? Eine unklare Vorstellung der Musik kann nur eine unklare, ineffektive, unflexible, unbewegliche Koordination des Körpers hervorbringen. Dieser Zusammenhang wird oft zu wenig bedacht und somit zu wenig Wert auf die Entwicklung der Fähigkeit innerlich hören gelegt.

Mache es dir zur Gewohnheit, an deiner inneren Vorstellung zu arbeiten. Spiele nicht nur, sondern singe auch. Überlege dir den Ausdruck, den Du erschaffen willst usw. Du wirst feststellen, dass Du mit verfeinerter Vorstellung automatisch besser koordiniert spielen wirst.

Spieltechnik

Die Spieltechnik kann ein großes Hindernis sein, wenn sie nicht mit der Konstruktion des Körpers arbeitet, sondern dagegen. Ein Klassiker ist die sogenannte Bauchatmung. Viele Bläser verspannen ihren Brustkorb, um ja nur mit dem „Bauch“ zu atmen und/oder drücken ihren Bauch beim Einatmen übermäßig hinaus. Beides Anspannungen, welche die Flexibilität des Torso sehr stark limitieren. Dabei würde bereits ein Blick in Anatomiebuch genügen, um klarzumachen, dass isolierte Zwerchfellatmung nicht der Physiologie des menschlichen Körpers entspricht.

Ein weiteres Beispiel – um bei Bläsern zu bleiben – ist der Ansatz. In diesem Bereich gibt es erfahrungsgemäß gut funktionierende Positionen und Techniken, und solche die deutliche Einschränkungen haben. Hier gilt es mit großer Genauigkeit und Sensibilität zu arbeiten, damit das Ziel frei und spontan zu ziehen auch erreicht werden kann.

Es gibt zahllose weitere Beispiele. Eine gut durchdachte und hinreichend eintrainierte Spieltechnik ist selbstverständlich Voraussetzung Flexibilität im Spiel.

Fazit

Selten sind die Gründe für mangelnde Flexibilität und Beweglichkeit auf Körperebene zu finden. Es geht um das Zusammenspiel von Geist und Körper und der Ort der Veränderung ist konstruktives Denken.

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